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Schrattenkalk

Moor und Kalk

Wanderung auf den Schibengütsch

Ein Zwischenhoch kündigt einen wunderbaren Herbsttag an. Endlich einmal rauf aufs Brienzer-Rothorn. Auf dem Plan steht der erste Teil des Steinbock-Treks.

Beim Einsteigen ins Auto kommen die ersten Zweifel - die Nordseite des Pilatus zeigt sich heute Morgen im ersten Winterkleid. Der nächtliche Schneefall dürfte wohl auch das Brienzer-Rothorn eingedeckt haben. Je näher ich nach Sörenberg komme, desto eindrücklicher bestätigt sich das Bild - ich stehe vor einer weissen, kalten und gar nicht einladenden Wand. Mit Wanderschuhen ist da nichts zu machen. Vielleicht rauf mit der Bahn - Kaffee trinken und ein paar schöne "Brienzer-Grat-Bilder" knipsen? Die Verlockung ist da. Rechterhand jedoch strahlt die Schratteflue im warmen Herbstlicht dieses Morgens und scheint nach einem Programmwechsel zu rufen. Ich gehorche diesem Ruf und folge der Strasse bis zum Wagliseichnubel.

 

Ab hier geht es zu Fuss weiter - vorerst auf einer breiten Kiesstrasse Richtung Schlund. Der gemütliche Weg durch die herrliche Moorlandschaft beeindruckt durch bunte Farben und entschädigt mich vollends für den "verpassten" Kaffee auf dem höchsten Luzerner.

herbstlich gefärbte Moorlandschaft zu Füssen der Schratteflue
herbstlich gefärbte Moorlandschaft zu Füssen der Schratteflue
Böli im Morgenlicht
Böli im Morgenlicht
herrlicher Blick auf das frisch überzuckerte Tannhorn mit seinen Nachbarn auf dem Grat des Brienzer-Rothorns
herrlicher Blick auf das frisch überzuckerte Tannhorn mit seinen Nachbarn auf dem Grat des Brienzer-Rothorns
Heidelbeeren - leuchtend rot die Stauden, saftig blau die Frucht und dazu der erste Schnee
Heidelbeeren - leuchtend rot die Stauden, saftig blau die Frucht und dazu der erste Schnee

Nach der Alp Schlund führt der Weg durch einen Zauberwald und steigt dann gemächlich an - ein schönes Einlaufen und Warmwerden bis zur Alp Chlus.

gemächlicher Aufstieg zur Alp Chlus
gemächlicher Aufstieg zur Alp Chlus
in Gedenken an die verstorbenen Wanderer... vor dem Hintergrund des Schibengütsch
in Gedenken an die verstorbenen Wanderer... vor dem Hintergrund des Schibengütsch
Alp Chlus mit Böli und Blick auf das Brienzer-Rothorn
Alp Chlus mit Böli und Blick auf das Brienzer-Rothorn

Nach einer kurzen Rast auf der Alp Chlus wird der Weg steiler, die Flora karger und die Sicht in die Berge weiter und gewaltiger. Oben auf dem Grat trennt sich der Weg. Während zur rechten Seite die Wanderung Richtung Hengst und Hächle führt, wähle ich die linke Seite. Die letzten steinigen Höhenmeter zum Schibengütschs sind schneebedeckt und rutschig. Der aufkommende Nebel taucht die schroffe Karstlandschaft in eine mystische Szenerie. Immer wieder muss ich innehalten und staunen über die Bilder, die mit jedem Moment wieder anders begeistern. Was für ein tolles Schauspiel!

Auf dem Weg zum Gipfelkreuz kommen mir zwei Wanderer entgegen, beide eingehüllt in warme Kleidung mit Mützen und Handschuhen. Für einen Moment schmunzle ich leise darüber - doch das Lächeln schwindet und weicht einem Verstehen, als ich auf dem Schibengütsch stehe. Wind und Nebel lassen die Temperatur eisig werden und die Freude auf eine ausgiebigere Rast vergeht. Ein paar letzte Fotos und dann zügig los, runter den Berg.

 

Blick zurück beim Aufstieg auf den Schibengütsch
Blick zurück beim Aufstieg auf den Schibengütsch
Türstenhäuptli
Türstenhäuptli
der Böli wird immer kleiner...  weit unten kommt Sörenberg ins Blickfeld
der Böli wird immer kleiner... weit unten kommt Sörenberg ins Blickfeld
Schibengütsch - das Gipfelkreuz ist erreicht
Schibengütsch - das Gipfelkreuz ist erreicht

Für den Abstieg wähle ich den nicht markierten Pfad über den Ostgrat. Leider bleibt mir heute die Sicht runter ins Kemmeribodenbad, in die Berneralpen und ins Mittelland verwehrt - doch das Schleichen des Nebels zu beobachten hat auch etwas Faszinierendes. Genauso spannend wie die Wetterlage ist der Weg, der vor mir liegt. Rasch an Höhe verlierend scheint sich die Wegspur hinter dem Felsband ins Nichts aufzulösen. Dem ist zum Glück nicht so - eine Türe im Fels und ein Pfeil an der Wand gilt als Einladung, einzutreten. Willkommen im Bunker der Schweizer Armee - Teil der Sperrstelle Bumbachtal aus dem zweiten Weltkrieg. Etwas zaghaft gucke ich in das dunkle Loch hinter der Türe. Die mitgebrachte Stirnlampe bringt etwas Licht und lässt mich eine Eisenleiter erkennen, die senkrecht runter durch einen schwarzen Schacht führt. Rein in die Finsternis - einen anderen Weg gibt es nicht. Die grosstrittige Leiter ist schon etwas in die Jahre gekommen, doch noch immer stabil und sicher genug. Es ist kalt im Bunker, die Tritte der Leiter sind eisig und rutschig. Bestimmt wäre es interessant, das Innere des Bunkers näher zu erforschen. Ein anders Mal vielleicht.

Froh, wieder draussen zu sein, folgt das schwierigste Teilstück der heutigen Wanderung. Der Pfad vom Bunkerausgang runter zur Alp Chlus ist steil und heikel. Ausrutschen ist nicht erlaubt. Das lose Gestein verlangt ein achtsames Auftreten, damit kein Steinschlag ausgelöst wird. Erschwerend kommt heute der erste Schnee dazu. Ich versorge die Kamera sicher im Rucksack und konzentriere mich auf den Weg. Langsam, manchmal die Hände zu Hilfe nehmend, gelange ich zur Wegkreuzung unterhalb der Chlushütte. Hier wähle ich den wieder ausgeschilderten Wanderweg rechts am Böli vorbei runter nach Oberimbärgli und von dort auf breiten Wegen über schöne Alpweiden nach Schneeberg und Wagliseiboden zurück zum Wagliseichnubel.

 

schöner letzter Blick zum Böli und zum Brienzer-Rothorn
schöner letzter Blick zum Böli und zum Brienzer-Rothorn

Praktische Informationen zum Schluss:

Die Wanderwege auf und am Fusse der Schrattenfluh sind vielseitig und abwechslungsreich, im Sommer wie im Winter. Das Wandern über den zum Teil scharfkantigen Schrattenkalk bedingt gutes Schuhwerk, Achtsamkeit im Gehen und Trittsicherheit. Die Touren sind beliebig und individuell zusammensetzbar. Ideen und Informationen 

gibt es auf www.biosphaere.ch oder www.soerenberg.ch und weiteren online Portalen.

 

Der Weg vom Schibengütsch über den Ostgrat ist nicht ausgeschildert und wird nicht unterhalten. Der schmale Pfad ist steil und rutschig und sollte nur bei Trockenheit benutzt werden. Lose aufliegende Steine können schnell einen Steinschlag auslösen und zur Gefahr für andere Wanderer werden. Dieser Weg verlangt in beide Richtungen grosse Vorsicht.

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